Living History

... was heisst das eigentlich?
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Um es gleich vorneweg zu nehmen: Um den Begriff "Living History" scheiden sich in und um die Szene die Geister. Daher erscheint es uns an dieser Stelle sinnvoll, einen kurzen Überblick zu geben, über die unterschiedlichen Ausprägungen unseres Hobbies, deren Begrifflichkeiten, wie wir diese interpretieren und was wir darunter verstehen. Dies um Missverständnisse und Diskussionen bereits im Vorfeld weitestgehend zu vermeiden.

In Nordamerika beispielsweise, wird zwischen "Reenactment" und "Living History" nicht grundsätzlich unterschieden. Im europäischen Raum lassen verschieden ausgeprägte Subszenen zuweilen eine gewisse Unterteilung zu. Was aber bedeuten diese Begriffe?

Nun, es gibt keine offizielle oder gar einheitliche Definition des Begriffs "Living History". Übersetzt würde es bedeuten "gelebte Geschichte". Und das ist es auch. Das versuchte Nachleben eines anderen geschichtlichen Abschnitts. Eigentlich müsste man meinen, damit ist der Fall klar, doch bei genauer Betrachtung kann dies auf sehr unterschiedliche Weisen passieren. Wikipedia teilt den Begriff in folgende Klassifizierungen ein, welche wir sinngemäss zitieren:*

- Experimentelle Archäologie

- Reenactment

- Mittelalterszene / GroMi (Grobmittelalter)

- LARP / Live Rollenspiel

Wobei die Grenzen vom einen zum anderen zuweilen fliessend sind und die beiden letzteren tendenziell eher zum Bereich des "Histotainment" gehören. 

Auch wir würden uns nicht fix in eine dieser Kategorien einordnen.

Living History bedeutet für uns nicht das Nachstellen eines historischen Ereignisses, wie dies beispielsweise beim Reenactment der Fall ist. Es ist aber dennoch mehr, als das gemeinhin so genannte Grobmittelalter (GroMi), wo zu tatsächlichen historischen Quellen nur teilweise, sehr lose, oder gar kein Bezug genommen wird. Es ist etwas dazwischen.

Nach unserer Definition orientiert sich Living History immer an historischen Quellen und ist bestrebt, diesen wenn immer möglich und so genau es geht zu entsprechen. Dabei orientiert es sich aber nicht zwingend einem definierten historischen Ereignis. Beispiele dafür wären das Darstellen des Tagesablaufs eines frühmittelalterlichen Handwerkers im Hafen von Haithabu im Jahr 856, das Nachstellen von überlieferten Kochrezepten aus einem spätmittelalterlichen Kochbuch, oder das Nähen von einem bestimmten Stück Kleidung, welches aus Fragmenten eines Grabfunds rekonstruiert wurde.

Unterschiede, wie genau man es mit dieser Interpretation nimmt, bestehen nicht nur zwischen den verschiedenen Gruppen, sondern oft ist dies eine ganz persönliche Entscheidung eines jeden Darstellers. Nicht zuletzt ist es auch eine Frage der Zeit, der Energie, der finanziellen Möglichkeiten, oder auch der Tiefe des Interessens an einem Gebiet. Auch in unserer Gruppe hat nicht jeder den gleichen Anspruch, doch das letztendlich angestrebte Ziel geht in diese Richtung, auch wenn auch wir in diesem Bereich noch meilenweit entfernt sind von einem Stand an dem nichts mehr zu verbessern wäre (dieser Zustand existiert nämlich gar nicht). Der Weg ist das Ziel!

Am Ende des Tages ist es nach unserer Ansicht das oberste Gebot eines Living History Darstellers, den Besuchern und Zuschauern einer Veranstaltung ein möglichst gutes und korrektes Gesamtbild seiner Geschichtsepoche zu vermitteln, in erster Linie in visuellen Eindrücken, aber auch mit den dazu gehörenden Erklärungen. Zumindest soll kein nachweislich falsches Bild vermittelt werden, welches (und dies ist der springende Punkt) als historischer Fakt verkauft wird, denn dies ist nicht nur dem Gefühl der Immersion unzuträglich, es ist auch eine Frage des Respekts an die Menschen jener vergangenen Epochen.

Nichts desto Trotz gilt: Leben und Leben lassen! 

*Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Living_History - 19.02.2022

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